Motorrad-Reisen und -Touren

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Tag 114 – In Prades, um Prades, um Prades herum

25. Oktober – 179.3 km rund um Prades

Weil’s so schön war, habe ich tatsächlich einen Tag verlängert und Prades als Start und Ziel für eine Rundtour genutzt. Meine Güte. Die Franzosen können Strassen bauen. Nicht, dass die Schweizer das nicht auch könnten, aber hier muss es halt nicht ganz so perfekt sein. Das macht’s ein wenig spassiger. Wer Freude an ruppigen Strassen durch’s Gebirge hat, der ist hier richtig.

D618Manchmal ertappe ich allerdings mich dabei, wie ich mir denke jetzt bloss nicht runtergucken. Hier und da fand ich die kleinen Mäuerchen, die mich vom Abgrund trennen, doch gewagt. So ganz frisch schienen die auch nicht immer zu sein. Möchte nicht wissen, wie viele Fahrzeuge beim Fahrstil der Franzosen da unten schon gelandet sind.

Sainte-Agnès in La BastideAber zunächst ging der Tag erstmal los Richtung La Bastide mit dem eigenwilligen Turm der Kirche Sainte-Agnès.

Verkauf Château aus dem 9. JahrhundertWen hier dann das unstillbare Verlangen überkommt, ein Château aus dem 9. Jahrhunder zu kaufen, der wird hier auch fündig.

Gleich nach La Bastide gehts zum Col Palomère und dort links in den Schotter zum Tour de Batère aus dem 14. Jahrhundert. Ich wusste, dass da Schotter ist, deswegen bin ich hin. Aber Schotter und Schotter sind ja bekanntlich zweierlei Dinge. Dieser Schotter war klasse. Mal nicht so Larifari-Steinchen sondern was Ordentliches. Hatte fast Park-Qualität und die Dicke kam mal ordentlich zum Einsatz. Die Aussicht von da oben auf 1’450m war auch nicht von schlechten Eltern. Kann man verstehen, warum die den Turm damals dahin gebaut haben.

Tour de BatèreAussicht vom Tour de BatèreAuf dem Weg nach unten wieder ein Lost Place. Abei aller Phantasie konnte ich aber nicht ausmachen, was das mal war. Die Grenze ist zu weit weg, so wirklich alt scheint es noch nicht zu sein und die noch vorhandenen Aufnahmen für technische Vorrichtungen weckten bei mir auch keine Assoziationen.

Lost PlaceGleich daneben graste eine Schafherde, die sich Schaf für Schaf an mir vorbei getraut hat. Nicht ohne sehr skeptisch zu gucken, was der Mann da macht. Das Vor-Schaf hat sich zuerst getraut – oder wurde von den anderen geschickt. Da weiss man jetzt nicht, ob es besonders mutig oder besonders dumm war. Es hat mich auf jeden Fall ganz schön lange angestarrt und ist nur schrittweise vorwärts gegangen.

Vorhut SchafWeiter runter ein besonderes Schauspiel: Das Tal lief mit Wolken voll. Innerhalb von 15 Minuten von 0 auf voll. Während es oben noch einigermassen sonnig war, war unten dickste Suppe.

WolkensuppeBei dem Licht bekamen die Bäume auch glatt was mystisches. Eigentlich ein ganz normaler Baum. Aber bei den hochziehenden Wolken hatte das was von Nebel des Grauens.

Nebel des Grauens

Tag 113 – Offen fahren bei km 20’000

24. Oktober – 203.4 km von Toulouse nach Prades

Es wird deutlich wärmer im Süden. Heute hatte ich 26 Grad max. So warm wird’s zwar nicht mehr die kommenden Tage, aber immer noch sehr angenehmes Moppedwetter. Was mich heute dazu ‚gezwungen‘ hat eine Schicht nach der anderen in die Taschen zu packen und zum Schluss sogar alle Lüftungen der Kombi aufzumachen. Der perfekte Tag um die 20’000 km voll zu machen.

Und auch ansonsten liess sich Frankreich nicht lumpen und bietet mir bei Sonnenschein einen Bilderbuch-Herbsttag mit Moppedstrecken wie gemalt.

Herbst im Forêt de NavarreHerbst im Forêt de NavarreBach bei Counozouls Herbst bei CounozoulsForêt de Navarre Aunat Mittlerweile bin ich in den Pyrenäen angekommen. Was die Franzosen hier so in die Berge gebaut haben, da muss man schon viel Phantasie haben, um sich vorzustellen, dass man da überhaupt bauen kann und das auch noch hält. Aber es hält wohl und das schon eine ganze Weile.

Mosset Sainte-Colombe-sur-GuetteHeute morgen hatte ich geguckt von wo sich die Pyrenäen am besten tourmässig starten lassen und bin auf Prades gestossen. Dort mal geschaut und bin bei einer 9.3-Bewertung mit 185 Bewertungen auf booking.com hängengeblieben, die zudem noch einen günstigen Preis hatte. 9.3 hatte ich bisher fast noch nie gesehen, und wenn, dann unbezahlbar. Also mehr oder minder blind gebucht und mit der Domain de la Tannerie den Jackpot gezogen. Bisher unterkunftstechnisch das Highlight der Tour. Ich überlege, ob ich nicht einfach noch ne Nacht ranhänge und von hier aus Touren starte und morgen den Tag geniesse.

Domaine de la Tannerie Domaine de la Tannerie Domaine de la Tannerie Domaine de la Tannerie Domaine de la Tannerie Ansonsten ist Prades ein knuffiges kleines Städchen und scheinbar wie so vieles hier auch schon ziemlich alt. Und abends ziemlich tot. Was allerdings den Bildmotiven keinen Abruch tut.

Prades bei Nacht Prades bei Nacht

Tag 110 – 112 – Relaxen in Toulouse

21. – 23. Oktober – 0 km mit dem Mopped

Das Wetter entpuppt sich hier unten als durchaus erträglich. Sonnig, manchmal windig aber warm, über 20°C. So langsam scheine ich dem Herbst ein Schnippchen zu schlagen. Das Wetter lädt zum Bummeln an der Garonne ein und die Wärme tut gut.

Die Preise hier stehen im Übrigen denen in Zürich nichts nach. Da fühlt man sich schon fast wie daheim 😉Jardin GoudouliJardin GoudouliGaronne Garonne Garonne

Tag 109 – Projekt Herbstflucht

20. Oktober – 348.8 km von Egliseneuve d’Entraigues nach Toulouse

Das Hotel gestern war wieder eine sehr angenehme Überraschung. Kurzfristig eine Stunde vorher gebucht, wie die meisten Tage. Weiss ja nie so recht wo ich wann bin bzw. weiss es dann, wenn ich da bin. War mitten im Regionalen Naturpark Volcans d’Auvergne, liebevoll eingerichtet,  sehr gutes Essen und Wein natürlich. Herbstlaub auf TreppeFrankreich, das merkt man im Supermarkt schon, ist ein Weinland. Habe selten in einem normalen Supermarkt so eine grosse Weinauswahl gesehen.

Projekt Herbstflucht ist aber noch nicht abgeschlossen. Der Herbst bleibt zwar hinter mir her, aber so richtig abgehängt habe ich ihn noch nicht.

Morgens bin ich auf 1’000 m bei 5°C losgefahren, das hätte sich kühl anfühlen sollen, war es aber seltsamerweise nicht. Danach gings hoch bis auf 1’600 m. Unterwegs fängt meine Dicke ab 2°C hektisch an zu blinken und warnt mich vor der Temperatur. Als hätte ich nicht selbst gemerkt, dass es kühler wird. Oben auf dem Col du Pas de Peyrol angekommen, habe ich den Beweis, dass es wirklich kalt ist. Sieht hübsch aus. Aber auf der Strasse muss ich das nicht haben.

Eisblumen auf dem Col du Pas de PeyrolDanach gehts aber wieder runter bis ich auf 300m moppelige 14°C habe. Direkt nach dem Col taucht ein grossartiges herbstliches Bergpanorama auf und ich kann nicht anders, als nochmal Pause zu machen.

BergpanoramaDie weitere Strecke geht bis 50 km vor Toulouse durch schmale Ministrassen die mich einmal mehr begeistern. Diese Gegend Frankreichs rutscht auf meine Liste der Lieblingsstrecken jetzt recht weit hoch. Nachteil der Sache: Sowohl das Navi als auch mein Gefühl täuschen sich gewaltig, wie viel mehr Zeit man braucht, um darauf zu fahren.

Interessante Erkenntnis: Jedesmal wenn ich von der Route abweiche und das Navi neu rechnet, findet es neue kurvenreiche Strecken und die Fahrt wird immer länger. Aber der Spass ist es wert. Trotzdem wird irgendwann auf schnellste Strecke umgestellt. Irgendwann will ich ja auch ankommen.

Es wird übrigens auch in Frankreich gebaut wie blöde. Mehr als einmal stehe ich vor einem Schild Route barée und nachdem ich das ein oder andere Mal trotzdem reingefahren bin, weiss ich, dass wenn die Franzosen sagen barée, dann ist da auch kein Durchkommen. Nichtmal mit der Enduro.

TKC 80 nach TourtagUnd die Reifen sind jetzt bis zum Rand eingeweit. 2014 war ich das erste Mal mit den Grobstollen mit der Hechlinger Seealpen-Tour auf der Strasse unterwegs. Die Tour ist sehr zu empfehlen, übrigens. Damals fragte ich den Tourguide, wie weit man die denn auf der Strasse fahren könne. Ehrlicherweise habe ich seine Antwort bis zum Rand natürlich akzeptiert, aber bei mir gedacht, dass müssen ja Irre sein, die die Maschine so fahren. Tja. Jetzt weiss ich dass man da nicht irre sein muss. Ein bisschen Kurventechnik und das geht ganz entspannt.

 

Tag 108 – Auvergne

19. Oktober – 192.9 km von Lapalisse nach Egliseneuve d’Entraigues

Dafür, dass es gestern Abend so ein Hickhack mit der Buchung gab (das Hotel konnte meine Buchung bei booking.com nicht finden), kommt heute morgen die ‚Quittung‘. Das Abendessen und der Wein waren plötzlich inklusive und kosteten nichts extra. Das nenn ich Service!

Aber aus dem bis in den Abend fahren wurde mangels Sonne nichts. Die Sonne liess sich auch nicht blicken, je weiter ich nach Süden kam. Zwischendurch schielte sie zwar mal durch die Wolken, aber dachte sich dann wohl: ‚Bäh. Heute nicht‘. Und so bleibt es weiter wolkig bei zunächst nicht ganz so üblen 11-12°C.

Trotzdem laufen mir ein paar richtig schön gefärbte Bäume über den Weg und müssen per Kamera eingefangen werden. Eine Burg ist auch dabei. Im Hintergrund kann man die Kette von Vulkanen erkennen.

Burg Murol

Dummerweise haben die Berge das so an sich, dass es hoch geht. Hoch bedeutet aber auch frisch. Frisch heisst, auf 1’100 m waren es dann mal grade noch 6°C. Und viel wärmer wurde es nicht. Ich wollte ja unbedingt Vulkane anschauen.  Aber aus Vulkanen wurde nichts.

Vulcania wäre was gewesen, ich hatte aber nicht damit gerechnet, dass man dafür schonmal einen halben Tag einrechnen sollte. Also wieder ab und zu einem echten erloschenen Vulkan, zum Puy de Dôme. Das ist der, der auf der Volvic Flasche drauf ist. Den gibts wirklich und Volvic ist eine Stadt hier in der Gegend. Da mir Volvic neben Evian am besten schmeckt, schien das eine gute Wahl. Aber leider war die Strasse dort hoch gesperrt und man kommt nur mit der Zahnradbahn rauf.

Puy de DômeDa die Wetterlage eher mässig und daher die Sicht ebenso mässig war, das Ding halb in den Wolken hing und die Bahn nur im Halbstundentakt geht, begnüge ich mit einem Blick von unten und beschliesse, den Rest des Tags noch ein paar Strassen in der Auvergne zu geniessen. Fahrerisch war’s so noch ein richtig toller Tag. Die Auvergne bekommt auf meiner virtuellen Lieblingsliste ein paar Extra-Punkte.

Unterwegs merke ich, wie sich die Bremsen ein wenig komisch anhören und mir schwant Übles. Aber die Bremsbeläge sind gut und können bis zur nächsten Inspektion in 1’000 km warten. Dann müssen sie aber runter.

Abends suche ich mir kurzfristig ein Hotel und werde mal wieder angenehm überrascht. Recht günstig und da es ausserhalb der Saison genau das Menü gibt, erspart es mir die Qual der Wahl. Ausser bei der vierseitigen Weinkarte. Ich entscheide mich wieder für einen lokalen Wein. Sowohl das Essen, als auch der Wein munden vorzüglich und es ergibt sich sogar noch ein nettes Gespräch mit den anderen beiden Gästen. Und sogar das Internet ist richtig schnell.

Alles in allem wieder ein schöner Frankreich-Tag. Ich könnt mich dran gewöhnen 🙂

Herbstlaub unterhalb Burg MurolHerbstlaubHerbstlaub

 

 

 

 

 

 

 

 

Tag 107 – Single Track Roads auf Französisch

18. Oktober – 365.1 km von Romilly Sur Seine nach Lapalisse

Heute Morgen erstmal Navi Richtung Zentralmassiv eingestellt und geschaut, was der Tag so bringt. Viel hatte ich nicht erwartet weil die Geländeansicht der Karte sagt, dass es wohl recht flach sei in Mittelfrankreich. Deswegen will ich ja zum Zentralmassiv. Aber weit gefehlt. Heute war sicherlich einer der Tage mit den meisten fahrerischen und optischen Highlights am Stück.

Ein grosses Lob an die Programmierer, die den Algorithmus für das Finden von kurvenreichen Strecken im Navi geschrieben haben. Heute waren die nicht nur kurvig, sondern auch klein, mit holprigem Strassenbelag, teils vom Ackerbau verdreckt und allerlei sonstigen Hindernissen gespickt. Und das fast den ganzen Tag. Ein Traum. Ich komm aus dem Grinsen gar nicht mehr raus.

Pause am FeldDiesen Strassentyp kenne ich schon aus Schottland als Single Track Roads. Nur dort gibts Ausweichstellen für den Gegenverkehr. Die haben sich die Franzosen gespart. Fährt man halt über den Acker. Geht auch.

Die Route führt durch nicht enden wollende Felder, die mit kleinen oder grösseren Dörfern verbunden scheinen. Die sind einfach hübsch anzuschauen. Geradezu endzückend. Und das ist so gemeint.

In einem dieser etwas grösseren Dörfer fahre ich an eine Aldi (Nord) vorbei. Da ich Wasser und ein paar Lebensmittel brauche, denke ich: Warum nicht? Mal gucken wie der hier so ist. Und man soll es nicht glauben: Aldi Nord ist echt schick hier. Weit weg vom Grabbel-Aldi-Nord, wie ich den noch kenne. Auch die Angestellten sind freundlich. Die Kassiererin an der Kasse wünscht mir sogar noch gute Reise. Draussen auf dem Parkplatz habe ich dann gleich noch zwei Freundlichkeits-Begegnungen. Eine davon rettet mir das halbe Baguette vor dem Abhandenkommen. Das war durchgebrochen und baumelte nur noch an einem Zipfel. Erstaunlich wie viel man mit ein wenig Freundlichkeit und einem Lächeln bewirken kann. Meine sowieso schon gute Laune steigt noch weiter an. Oh. Und die paar Sachen, die ich gekauft habe, sind sogar noch guter Qualität und schmecken. Sogar das Baguette (obwohl es vom Bäcker sicherlich noch besser gewesen wäre).

Morgennebel MorgennebelAm Morgen war’s noch nebelig und danach gibt die Herbstsonne alles, um das Laub in bestem Licht erscheinen zu lassen. Es macht fast ein wenig den Anschein, als würden die Blätter vor dem Exodus nochmal alles geben wollen.

AbendglühenAbendsonne bricht durch BäumeIch überlege ernsthaft, ob ich nicht die nächsten Tage, sofern sonnig, ebenfalls bis Abends fahre. Das Licht ist einfach grandios und wenn man sich bewegt, sieht man mehr.

Tag 105+106 Ardennen

16. + 17. Oktober – 454.7 km von Altrich nach Romilly Sur Seine

So langsam bekomme ich das Gefühl, dass mir die Zeit wegrennt. Anfangs schienen 5 Monate unendlich lang und jetzt sind nur noch 6 Wochen übrig. Also ab gen Süden, noch ein wenig Wärme tanken.

In Luxemburg bin ich verwirrt. Gestern habe ich gelernt, dass offizielle Landessprache Französisch ist. Aber scheinbar haben’s die Luxemburger nicht so extrem damit wie die Franzosen. Die Schilder an der Strasse sind bunt gemischt in Deutsch und Französisch.

Belgien erkennt man daran, dass die Strassen gleich schlechter werden. Störte mich aber so gar nicht. Im Vergleich zu Luxemburg oder Deutschland wirkts hier aber unaufgeräumt. Baustile sind phantasievoll gemischt und in grösseren Dörfern wird mit Werbetafeln an Gebäuden nicht gegeizt. Auch eine Methode, weniger renovieren zu müssen.

Auf dem Weg wollte ich unbedingt durch die Ardennen. Das hat sichg gelohnt. Die Dörfer werden eindeutig hübscher und es gibt eine recht durchgängige Bebauung mit Natursteinhäusern. Das macht schon gleich was her. Das Auge isst man ja schliesslich mit.

Französiche ArdennenWeiter dann nach Frankreich und hier bin ich gleich nochmal verwirrt. Das erste Mal fühle ich mich in Frankreich ein wenig wie zu Hause. Mir gefällt’s viel besser als sonst. Das kann nicht nur am Strassenbelag liegen, der meiner Meinung nach für Moppeds ziemlich oben an der Liste der Strassenbeläge in Europa ist.

Im Grossen und Ganzen hatte ich fast keinen Regen. Manchmal war die Strasse aber nass. Das zusammen mit Laub ist trotz meines Lieblingsstrassenbelags keine gute Kombination. Das ist die Kehrseite des Herbsts. Das bunte tolle bunte Laub fällt halt irgendwann auch runter.

Herbstliche StrasseIm Laufe des Tages gibts in Frankreich aber nicht nur Herbst. Hier und da bleibt einem der Mund offen stehen, einfach weil’s so schön ist. Am Liebsten hätte ich da hingesetzt und die Herbstsonne genossen. Immerhin habe ich mich bis 16°C hochgekämpft. Ich hoffe das geht so weiter.

Monthermé an der Maas

Tag 104 – Vulkaneifel

15. Oktober – 259.8 km von Marl nach Altrich

Auf dem Weg nach Süden gehts noch bei der Familie an der Mosel vorbei. Liegt ja auch auf dem Weg.

Herbstlaub in der EifelEigentlich wollte ich ja die komplette Strecke über Landstrasse machen. Aber ich hab mal wieder den Ballungsraum unterschätzt. Bei der Inspektion der Route merke ich, dass die im Rhein-Ruhr-Gebiet ausschliesslich durch Städte und Dörfer geht. Das ist mir dann ein bisschen zu viel Entschleunigung und ich entscheide mich dafür, bis kurz hinter Köln auf der Autobahn zu fahren und dann Richtung Eifel abzubiegen.

EifelkurvenWar die richtige Entscheidung. Die Vulkaneifel erweist sich als tolle Moppedstrecke, der Herbst hat hier schon voll zugeschlagen und bietet mir eine farbenfrohe Kulisse.

Gegen sieben wirds dann aber schon empfindlich kalt und ich bin froh, als ich ankomme und mich am Kaminofen wärmen kann.

 

Tag 99 bis 103 – Reifenwechsel

10. bis 14. Oktober – 166.7 km in Troisdorf, Bonn und bis Marl

Beim Mopped putzen merke ich, dass die Reifen doch mehr abgefahren sind, als ich erwartet hätte. Natürlich prüfe ich ordnungsgemäss die Fahrbereitschaft des Fahrzeugs vor jedem Fahrtantritt. Aber irgendwie scheint es, die Fahrt des letzten Tages hat ausserordentlich Profil gefressen.

Also ab zum Reifenwechsel zu BMW nach Bonn. Dafür, dass die erst die falschen Reifen bestellt habe haben sie mir eine Leihmaschine zur Verfügung gestellt und noch die von Stiefel und Hose abeschubberten Lackstellen am Rahmen wieder nachlackiert – ohne Berechnung. 1a Arbeit, man sieht fast gar nichts und ich bin froh, dass der Rahmen jetzt auch nicht mehr rostet. Das wär glaub ich nicht gut, wenn das so geblieben wäre.

Mit dem TKC 70 bin ich dann doch über 10’600 km weit gekommen. Das ist Rekord. So im Nachhinein wundert es mich dann auch nicht, dass die Reifen runter sind. Wobei sich das so anfühlt als hätte ich sie gestern in Berlin erst aufgezogen. Na gut. Ist schon fast zwei Monate her. Und auch das ist Rekord. In so kurzter Zeit waren sie noch nie runter.

Raureif auf FlachdachAbgesehen vom Reifenwechsel gabs noch einiges am Haus der Eltern zu erledigen und alte Freunde zu treffen. Die Zeit verging wieder Ruck-Zuck. Weniger belustigend fand ich den Raureif, den ich morgens auf dem Flachdach vom Nachbarhaus entdeckt habe. Der verfolgt mich scheinbar. Oder der Herbst verfolgt mich. Oder ich fahre dem Herbst davon. Je nachdem, wie man das sieht. Ich entscheide mich für davonfahren. Und zwar flott.

 

Tag 98 – Geysir Andernach

9. Oktober – 0 km mit dem Mopped

Ich wusste gar nicht, dass es in meiner Heimatgegend den grössten Kaltwassergeysir der Welt gibt. Wundert mich auch nicht. Der wurde erst wiedereröffnet, als ich weggezogen bin. Warum passierte in 2006 eigentlich so viel?

Hinfahren kann man nur mit dem Schiff und unter Aufsicht hingehen weil der Geysir in einem Naturschutzgebiet liegt. Der Preis von 15 EUR pro Ticket ist mehr als fair, für das was geboten wird.

Ralf am RheinRhein bei Andernach‚Angetrieben‘ wird er von Kohlendioxid und wird bis zu 60 Meter hoch. Das Schauspiel ist ziemlich eindrucksvoll wenn man sieht, dass er erst ganz langsam sprudelt und dann plötzlich in die Höhe schiesst. Der Vergleich mit der Sprudelflasche ist gar nicht so daneben. Wenn man sich einen Geysir vorstellt, denkt man ein einen heftigen Schuss und das war’s. Aber der hier (ich hab’s gestoppt) dauert insgesamt 16 Minuten.

Das angegliederte Museum/Erlebniszentrum ist gut gemacht. Es gibt reichlich Informationen zum Geysir und viele Experimente zum selbst probieren rund um Kohlendioxid und Wasser. Macht Spass.

Ausstrittsloch Geysir AndernachAusttrittsöffnung Geysir AndernachGeysir Andernach