Motorrad-Reisen und -Touren

Tag 24 – Transalpina und E79

397.7 km von Novaci nach Oradea

Heute morgen war etwas seltsam. Ich hatte recht schlecht geschlafen. Dann komm ich runter zum Frühstück. Kein Frühstück. Keine Menschenseele. Ok, denk ich. Dann packen und los. Komm ich mit meinem Geraffel runter, schlurft die Mutter des Pensionsbetreibers um die Ecke. Im Morgenmantel und mit Kopftuch. Ich hatte spontan den Film Psycho im Kopf. Und hatte trotz der guten Erfahrungen von gestern Abend plötzlich das Bedürfnis, die Pension so schnell wie möglich zu verlassen. Meine Laune war in dem Moment nur bedingt als positiv zu bezeichnen.

TransalpinaGlücklicherweise hatte ich die Transalpina direkt vor der Nase. Wörtlich. Die Pension war direkt an der Strasse. Und ich glaube ich habe meine neue hochalpine Lieblingsstrasse gefunden.  108 km purer Fahrspass: Kurven,  Hochgebirge, Wälder, Seen, kurze Schotterstücke und alles, was rumänische Strassen sonst noch so zu bieten haben: Kühe, Esel, Pferde, mit und ohne Wagen, mit und ohne deren Hinterlassenschaften auf der Strasse, Schlaglöcher, Bodenwellen. Meine Laune wurde schlagartig besser. Und das obwohl die Temperatur auf 14°C da oben abgekühlt ist.

Stausee an der TransalpinaDie Transalpina geht im Norden bis Sebes (Mühlbach). Danach machte die E79, die bis zur ungarischen Grenze führt einen guten Eindruck auf der Karte. Schön kurvig und immerhin eine E. Kann also nicht so schlecht sein. Wie ich heute Abend in Wikipedia nachgelesen habe, sind Europastrassen meist Autobahnen (die ich ja vermeide) aber auch seltener Bundesstrassen. Der Autor bezog sich eindeutig auf deutsche Strassenverhältnisse und war noch nie in Rumänien. Die E79 hier lässt sich am ehesten so beschreiben:

200 km Baustelle, die durch geschickt platzierte Baustellenampelanlagen zum Verweilen einlädt. Verkehrsgünstig gelegen, verbindet sie Ungarn mit Griechenland und bietet in Rumänien teils noch original erhaltene Teilstücke im Ursprungszustand. Schlaglöcher und Bodenwellen sorgen für die während der Fahrt notwendige Vertikalbewegung. In Serpentinen einspurig ausgeführte Streckenabschnitte ohne Signalisation verschaffen, insbesondere bei entgegenkommendem Gross-KFZ-Verkehr, ein ganz besonderes Erlebnis.

Bei einer dieser Bodenwellen hat meine Bodenschutzplatte ein ganz hässliches Geräuch gemacht als ich aufgesetzt bin. Offensichtlich hat sie aber ihren Zweck erfüllt: Der Motor lief danach noch einwandfrei.

Das wär alles nicht so schlimm, wenn diese Ampeln nicht wären. Rein statistisch hätte ich die Hälfte grün haben müssen. Aber Pustekuchen. Vor jeder dieser Ampeln habe ich gestanden. Das ist bei 31°C im Schatten — nur ohne Schatten. Das war nicht lustig.

So nach und nach passe ich mich also dem rumänischen Fahrstil an. Ich beginne zu verstehen. Zwar fahre ich nicht, die rote Ampel ignorierend in die Baustelle rein, aber immerhin an der Warteschlange vorbei. Einmal reichts vorne nicht und ich komme neben einem weissen Zivilwagen zum Stehen. Gucke so rein und sehe das Armabzeichen eines Strassenpolizisten. Ganz hilflos nicke ich ihm zu. Er nickt telefonierend zurück. Sache erledigt. Puh.

Immerhin bin ich jetzt kurz vor der ungarischen Grenze und es ist noch eine halbe Tagestour bis Budapest.

[Edit, 28.7.2016, Rechtschreibkorrektur]

 

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