Motorrad-Reisen und -Touren

Tag 18 – Schlaglochalarm

21. Juli – 327.7 km von Sofia nach Russo

Kaum hat man die endlose Kopfsteinpflasterstrecke durch Sofia, die Mann und Maschine alles abfordert, hinter sich gelassen, wird sie von Baustellen abgelöst. Auch nicht besser.


Da ich mein Ersatz-Navi nach wie vor auf „Autobahn und Mautstrecken vermeiden“ eingestellt habe, führt es mich auch gradewegs auf die Strasse, die parallel zur Autobahn verläuft und gefühlt seit deren Bau in den 80ern nicht mehr gepflegt wurde. Eigentlich ist das keine Strasse. Das sind Schlaglöcher, die von Teer zusammengehalten werden. Aber so wollt ich’s ja.

Brücke und MoppedDie Autobahn unterquere ich dann auch mehr als einmal und wenn man die Grössenverhältnisse so sieht, dann ist das schon ein echt mächtiges Bauwerk. Hinweis: Auf dem Bild ist mein Mopped zu sehen.

Zu Mittag „gönne“ ich mir einen Kaufland-Besuch. Ich war neugierig, wie der Laden hier in Bulgarien wohl so aussieht. Die haben hier ab und an eine SchokoladeFiliale und da mir der lokale Käse für meinen Mittags-Snack ausgegangen ist, kam mir das grad richtig. Es ist ein ganz schön komisches Gefühl in einen Laden reinzugehen, von dem du denkst, dass du ihn kennst und dann stehst du vor einer Wand mit Produkten offensichtlich aus Tomaten und du hast nicht den absolut geringsten Dunst was das für Produkte sind weil die ja alle in kyrillisch bezeichnet sind. Aber Schokolade gabs. Die habe ich erkannt.

Apropos Produkte: Es fahren hier auch durchaus KFZ rum, denen man noch ansieht, dass sie mal ursprünglich aus Deutschland kamen. LKW mit original deutscher Firmenbeschriftung oder Busse, die mit dem Schild „Leerfahrt“ unterwegs sind.

P1020666Auf der Fahrt komme ich auch immer wieder an „Lost Places“ vorbei. Ich mag solche Plätze. Die haben so etwas vom Glanz aus vergangenen Zeiten und verströmen einen ganz maroden Charme. Wie diese Tankstelle hier, die ich irgendwo im Nirgendwo gefunden habe. Wenn so etwas hier nicht mehr gebraucht wird, macht man es scheinbar zu und lässt es verrotten.

Wo wir grade bei „unterwegs“ sind. Zwei Verkehrszeichen fallen mir auf, die es so bei uns nicht gibt: Das Normale „Warnung“ Dreieck mit einem schwarzen Punkt drin. Erst dachte ich, es handelt sich um die Warnung vor Schlaglöchern. Hätte gepasst. Aber ich habs gegoogelt: Ist die Warnung vor einem Unfallschwerpunkt. Wird mir in Litauen noch nützlich sein. Da gibts das Schild auch.

Das andere ist das Verbot der Einfahrt für Pferdefuhrwerke. Da waren sie wieder. Überflüssig zu erwähnen, dass die einzigen zwei Pferdefuhrwerke, die ich heute gesehen habe auf just genau dieser Strasse waren, in der die Einfahrt für ebensolche verboten war. Da die Schilder erst dort stehen, wenn man schon mitten in der Strasse drin ist, kann ich verstehen, dass sie ignoriert werden. Aus dem gleichen Grund habe ich noch nicht geschafft, ein Foto davon zu machen.

So ist das hier mit Verbotsschildern. Die haben gefühlt eher so einen Hinweis-Charakter. So nach dem Motto: „Also wenn es wirklich keine Umstände macht und ansonsten keine offensichtlichen Gründe gegen Überholen sprechen, wäre es trotzdem sehr nett, wenn hier nicht überholt werden würde.“. De facto: Kümmert sich keiner drum. Ich hab Überholvorgänge gesehen, da bin ich schon ein paar Fahrzeuge dahinter auf der Bremse gewesen, weil ich dachte, dass das auf keinen Fall mehr passt. Passte aber. Zur Not halt drei Autos nebeneinander. Andererseits wird man auch ganz ruhig, wenn einem plötzlich auf der eigenen Spur ein LKW entgegen kommt. Passt schon.

Weniger schön für mich: Auf derselben Strasse stehen alle paar Kilometer eindeutig zu freizügig bekleidete Damen herum, die mir das ein oder andere Körperteil bei der Vorbeifahrt entgegenstrecken. Ich fand das bRoundaboutefremdlich. Aber wie heisst es: Andere Länder, andere Sitten.

Sehr witzig fand ich auch die sehr ernst zu nehmende Warnung vor einem Kreisverkehr. Die ging schon 1´500 m davor los und die Schilder kamen alle paar hundert Meter. Ich habe nicht herausgefunden, warum davor so gewarnt wurde. So ungewöhnlich sind die Dinger selbst in Bulgarien nicht.

P1020684Gelandet bin ich dann in Russe, im 9. Stock vom Grand Hotel Riga, dass ich über http://booking.com für 34 EUR ergattert habe. Jetzt wo ich hier bin, muss ich sagen: Ein Schnöppchen. Von aussen dachte ich erst „Oooooh je. Das hat die besten Tage schon lange, lange hinter sich“. Sah so ein wenig aus wie die Tankstelle oben. Aber von innen: Oh la la. Und von oben erst. Direkt an der Donau und auf der anderen Seite ist schon Rumänien. Der Blick aus meinem Zimmer lässt keine Wünsche offen.

 

Edit: 22.7.2016, Video repariert

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