Motorrad-Reisen und -Touren

Ab in den Dreck

29. August 2018 -104.4 km von Nuoro nach Fonni

Das Hotel war super! Von aussen sieht man es nicht an, aber die Bewertungen auf booking.com hatten recht. Von innen tip top! Modern, sauber und Rezeption auf Zack. Besser gehts nicht. Hat dann auch Bestnoten bei b.com bekommen.

Für heute hatte ich mir eine Strecke aus meiner Sammlung rausgesucht, die ich noch nicht gefahren bin. Keine Ahnung, wo ich die her hatte. Und alle Recherchen waren scheinbar nicht so sorgfältig, wie sie hätten sein sollen.

Was ich schon mehrfach festgestellt habe: Die Strassenkarten (die im Navi) sind nicht immer so aktuell, wie man das so gewohnt ist. Die befahrbare Strassenrichtung ist noch das Kleinste, was oft nicht stimmt. Manchmal kann man dann nur in die eine Richtung abbiegen, wo das Navi dich aber gerne in die andere hätte. Nundenn. Den Hinweise „bitte wenden“ direkt vor der Tunneleinfahrt oder auf einer Schnellstrasse ignoriere ich auch gekonnt unter vollständiger Einbeziehung meines gesunden Menschenverstandes. Aber das führt mich auf eine kurvenmässig viel schönere Strecke als ich eigentlich zum Einstieg in den Schotter wollte. Man weiss halt doch nie, wofür es gut ist.

Zum Thema „Karten“ nochmal: „Ungepflasterte Strasse“ heisst im Navi auch nichts. Da kann in der Realität alles sein: Von „Strasse nicht mehr vorhanden“ bis „komplett ausgebaut“. No Risk, no Fun.

Der erste teil des Tages vergeht wie im Fluge. Und das obwohl „schnell“ auf ungepflasterten Strassen sehr relativ ist. Zitat aus meinen Notizen vom Vormittag: „Offroad knackig und teilweise eher anspruchsvoll“. Da wusste ich auch noch nicht, was mich am Nachmittag erwartet.

Der Vormittag war, in der Retrospektive gesehen, gut zu fahren. Nicht ganz einfach, aber interessant. Wo die geplante Route in den Wald ohne jegliche Spuren abbiegt ziehe ich dennoch die „Strasse“ aussenrum vor. Ich schreibe das in Anführungszeichen, weil das was sich hier teils so Strasse nennt (wenn man es dann drauf ankommen lässt) würde in der Schweiz aus Sicherheitsgründen gesperrt sein und Missachtung würde mit Teeren, Federn und der Herausgabe des Erstgeborenen bestraft. Aber ich bin nicht in der Schweiz 🙂

Noch ist die Welt in Ordnung

Mittags um eins ist die Welt noch in Ordnung

Die Umfahrung führt mich durch Oliena. Die Strassen hier sind auch eher interessant. Das Wort „Strassenschluchten“ bekommt plötzlich ein anderes Bild im Kopf. Strassen, so schmal, dass ich mit dem Töff gerade mal durch passe. Steigungen, die Offroad in nichts nachstehen. Da werden 2-stöckige Häuser plötzlich verdammt hoch — auch für’s Navi was manchmal komplett die Orientierung verliert. Mehr als einmal drehe ich vor einer Haus-/Hofeinfahrt und hoffe, dass es mich nicht hinhaut, weil der Talfuss nicht mehr auf den Boden kommt. Leider darf ich bestimmt keinen Screenshot von der Karte hier wiedergeben, daher muss es ein Link tun. Sieht auf der Karte schon aus, als hätte jemand vergessen aufzuräumen.

Weiter gehts wieder zurück auf die ursprünglich geplante Route. Die führt auch über die SP22. Wundervolle Strasse. Tolle Kurven. Viel Sand. Ich glaub, den haben die vom Strand hier hoch geschippert. Typischerweise liegt der Sand vor oder nach Kurven. Vorzugsweise in rauhen Mengen und dort, wo man ihn in der Anfahrt nicht sehen kann. So langsam habe ich heute ein „Sand-Radar“ entwickelt, welches mich glücklicherweise nie trügt und eher zu sensitiv eingestellt ist. Wenn man mal damit rechnet, ist’s gar nicht mehr so schlimm. Putzig fand ich zwei vermutliche Sarden, die sich in von mir aus gesehen jeweils Rechtskurven an der gegenüberliegenden Seite mit Tisch, Stuhl und Picknick im Schatten bequem gemacht haben. Ich will ja niemandem was unterstellen, aber das hatte schon so ein wenig was von „die warten bis was passiert“.

Nach der SP22 geht’s dann rund. An einer abschüssigen Strecke denke ich noch „so ein Glück, dass ich hier nicht wieder rauf muss“. Das war auch die erste Stelle, an der ich mir gedacht habe, dass ein Mitfahrer jetzt echt praktisch wäre.

Wo die Strasse aufhört ging's 15 m ab senkrecht ins Flussbett

Wo die Strasse aufhört ging’s 15 m ab senkrecht ins Flussbett

Erst Holz hacken, dann trotzdem Strasse vom Fluss verschluckt

Erst Holz hacken, dann trotzdem Strasse vom Fluss verschluckt

Und den Rest in Stichworten:

  • 2 mal rumdrehen weil „Strasse weg“. Einmal ‚durfte‘ ich wenigstens endlich meine Axt ausprobieren. Nur um dann festzustellen, dass danach die Strasse trotzdem weg ist. Merken für’s nächste Mal: Wenn da Bäume rumliegen, ist das ein sicheres Zeichen, dass wohl niemand die Strasse benutzt. Wahrscheinlich aus gutem Grund.
  • 1 mal Umfallen weil wegen 40cm tiefer „Regenrinne“ auf Strasse
  • 1 mal Umfallen weil nicht aufgepasst
  • 1 mal rumdrehen weil „Strasse fast weg“ und deswegen
  • 1 mal die grosse Runde 2.4 km laufen, um eine Alternative zu finden, denn zurück ging ja nicht)

Patsch, da liegt die Kuh

Und jedesmal Absatteln, alles runter, mit leerer Maschine drumrum, alles hinterhertragen, alles wieder auf die Maschine drauf.

Bei der Runde kommt mir dann ein Fiat Panda entgegen. Spätestens dann wusste, ich, dass die Alternative taugt. Wenn ein Panda das schafft, schaff ich das auch. Wobei man die Dinger nicht unterschätzen soll. Ich hab immer über den 4×4 Panda gelacht. Aber hier weiss ich, wofür man den braucht.

Die letzten 4 km sind dann nochmal anspruchsvoll, aber ich bin froh, als ich endlich wieder Teer unter den Rädern hab. Teer ist auch was feines.

Wilde Essel in SardinienAber wenigstens bekomme ich zum guten Abschluss noch Wildesel und Wildschweine mit Frischlingen in der Frene zu Gesicht. Ich war zum Glück sehr weit weg. Um nichts in der Welt nähere ich mich um diese Jahreszeit Wildschweinen mit Frischlingen. SO verrückt bin ich dann doch nicht.

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